
Da lernst du einen Menschen kennen, der dir auf Anhieb sympathisch ist und dann das.
Mein erster Eindruck war angenehm. Endlich mal mit jemand auf Augenhöhe befreundet sein (wir sprechen hier nicht von einer Paarbeziehung). Schnell schlich sich dieser Mensch in mein Vertrauen ein, wollte fast täglich ein Treffen, tat freundschaftlich und verständnisvoll.
- Ich hätte misstrauisch werden können, weil keine Einladung auf Gegenseitigkeit beruhte
- Ich hätte misstrauisch werden können, weil nach Ansicht dieses Menschen immer alle anderen an allem Missverhalten schuld waren.
- Ich hätte misstrauisch werden können, weil keine Informationen über diesen Menschen kamen. Nur Fragen. Nichts persönliches von sich selbst.
- Ich hätte misstrauisch werden können, als dieser Mensch versucht hat, sich in meine Familie einzumischen. Auf ziemlich perfide Art.
- Ich hätte misstrauisch werden können, weil dieser Mensch ständig Ehrlichkeit erwähnte
Das Misstrauen kam aber nicht auf, selbst als ich feststellen musste, dass kein Respekt gegenüber meinem Eigentum vorhanden war. Eine Verwunderung meinerseits setzte ein, worauf ich das Verhalten aufmerksamer beobachtete. Die Situation wurde immer angespannter.
Dann kam es letztendlich doch zum unvermeidlichen Bruch. Dieser Mensch hat mich verbal erniedrigt und gedemütigt, sich über mich als Mensch erhoben und ziemlich unverschämte Aussagen getroffen.
Manchmal braucht es einen lauten Knall, um aufzuwachen
Was bleibt ist die Enttäuschung.
Wie gehe ich jetzt damit um?
Erstmal war ich traurig. Es hätte so nett werden können. Es wäre ausbaufähig gewesen. Gute Freundschaften brauchen Zeit. Gute Freundschaften entwickeln sich durch gemeinsame Erlebnisse, die über Kaffeetrinken hinaus gehen. Gute Freundschaften sind ein Geben und Nehmen.
Dann wurde ich wütend. Vor allem auf mich selbst. Trotz meiner Lebenserfahrung habe ich viele Warnsignale übersehen. Ich wollte sie nicht sehen oder hören.
Nach ein paar Tagen habe ich alles noch einmal Revue passieren lassen.
Was sollte mir dieses negative Kennenlernen zeigen?
Welche Lehren sollte ich daraus ziehen?
Welche Prüfung meines Selbst war das?
Was hat diese Erfahrung gebracht?
Das hat es gemacht:
Es hat mich gestärkt.
Allein das Vorgehen dieses Menschen, mich klein machen zu wollen, hat mich erkennen lassen, dass ich nicht klein bin, dass ich nicht unfähig bin, dass ich nicht unscheinbar bin. Ich bin ich und so wie ich bin, bin ich gut.
Es hat zur besseren Kommunikation innerhalb der Familie beigetragen
Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen. Wir reden offen miteinander. Wir lassen nicht zu, dass sich ein anderer Mensch negativ zwischen uns drängt.
Es hat den Wert von Achtsamkeit gezeigt
Diese Begegnung hat gezeigt, wie wichtig die objektive Wahrnehmung eines anderen Menschen ist. Die Akzeptanz des anderen Menschen, so wie der Mensch ist. Ohne Vorbehalte, ohne Wertung. Auch wenn das von diesem Menschen nicht kam, möchte ich diese Art der Wertschätzung von Menschen nicht verlieren.
Es hat die Aufmerksamkeit geschult
Die zahlreichen Situationen und Äußerungen, die Anlass zu Misstrauen hätten geben können, blieben unbeachtet. Zur Aufmerksamkeit gehört aktives Zuhören, distanziertes beobachten und eine ermessende Analysefähigkeit.
Es hat mir gezeigt, wie wichtig Vertrauen bleibt
Auch wenn dieser eine Mensch mein Vertrauen missbraucht hat, auch wenn dieser eine Mensch versucht hat, mich und meine Familie zu manipulieren, werde ich auch künftig mein Vertrauen schenken. Jedes Mal, wenn wir Vertrauen in jemand oder etwas investieren, laufen wir Gefahr, enttäuscht zu werden oder zu scheitern. Trotzdem lohnt es sich immer wieder, Vertrauen zu schenken. Ohne Vertrauen würden uns Zweifel beherrschen und uns gute Gefühle und Erlebnisse verwehrt bleiben.
Wie gehen Sie mit Enttäuschung um? Manchmal hilft es, die Sichtweise zu ändern. Ich helfe Ihnen gerne dabei.